Christopher und Jeremy schreiben im Moment eine Bachelor-Arbeit über das Thema eSport und kamen auf uns zu, da sie Teilnehmer für eine Umfrage brauchten. Da wir immer sehr interessiert an solchen Themen sind, baten wir die beiden zu einem Interview!

TMA: “Hallo Christopher und Jeremy! Vielen Dank für die Möglichkeit, euch interviewen zu dürfen. Fangen wir doch einfach erst mal mit einer kleinen Vorstellung eurerseits an: Wer seid ihr, wo kommt ihr her?”

C&J “Wir, Christopher und Jeremy, sind 27 und 23 Jahre alt, Studenten aus Köln, studieren an der Hochschule Fresenius in Köln und schreiben zusammen unsere Bachelorarbeit.”

TMA: “Wir sind auf euch aufmerksam geworden, da ihr momentan eine Bachelor-Arbeit über das Thema eSport schreibt und noch Teilnehmer für eure Umfrage brauchtet. Was studiert ihr, wenn ihr ein solches Thema wählen könnt?”

C&J “Wir studieren Sportmanagement”

TMA “Und was ist das genaue Thema eurer Bachelor-Arbeit?”

C&J “Der genaue Titel der Arbeit lautet: Eine empirische Untersuchung über das Verhalten von eSports Konsumenten und die daraus resultierenden Chancen für werbungstreibende Unternehmen. Durch die Umfrage versuchen wir uns ein besseres Bild über den klassischen eSport Fan zu machen. Wir versuchen damit Fragen wie z.B. die folgenden zu beantworten: Macht es Sinn für Unternehmen im eSport Werbung zu schalten und wenn ja für welche Unternehmen bzw. Branchen? Wie stehen eSports Fans zu Werbung? Welche Unternehmen könnten sie sich im eSport vorstellen und welche Werbearten bevorzugen sie? Macht es für eSport fremde Unternehmen Sinn im eSport Werbung zu schalten?

Wie steht der eSport Fan zu traditionellem Sport? Sind sie an beidem interessiert und gehen sowohl zu einem eSport Event und am Sonntag ins Stadion für z.B. die Fußballbundesliga?”

TMA: “Was sind eure Berührungspunkte selbst mit dem eSport? Zockt ihr selbst?”

Chris: Ich zocke schon seit meiner Kindheit. Angefangen hat es mit dem Gameboy Classic und Spielen wie Space Invaders und Zelda, Link`s Awakening , später dann auf dem PC Spiele wie Warcraft 3, World of Warcraft und Call of Duty.

Heute spiele ich nur noch ab und zu mal League of Legends.

Oft fehlt mir leider die Zeit zum zocken und daher kommt es immer häufiger vor, dass ich nicht selber zocke sondern mir eSport Spiele angucke. Hier verfolge ich auch überwiegend LoL, vor allem die LCS (jetzt bald ja LEC) und die Worlds.”

Jeremy:Ich persönlich würde mich, im Gegensatz zu Chris, nicht als Zocker bezeichnen. Außer dem vereinzelten Spielen an der Playstation zocke ich eigentlich nicht. Trotzdem interessiert mich die professionelle Szene des eSports und mich fasziniert die Entwicklung.”

TMA “Und wie kam es, dass ihr ausgerechnet dieses Thema gewählt habt?”

C&J: “Neben unserem Freizeit Interesse für das Thema, war eSport oft ein Bestandteil unseres Studiums. Den enorme Wachstum, den eSport in den letzten Jahre hatte wurde von unseren Dozenten/innen in verschiedenen Veranstaltungen thematisiert.

Dazu kamen Gastvorträge von Jan Pommer (ESL).

Das Oberthema eSport stand dann eigentlich recht schnell. Es fing damit an, dass wir uns ein genaueres Bild über den klassischen eSport Fan machen wollten. Unterscheiden sich diese von Fans traditioneller Sportarten oder sind eSport Fans auch Fans anderer Sportarten? Gibt es dort Überschneidungen? Diese Information ist besonders für Unternehmen interessant die sich überlegen wie sie ihr Marketing betreiben sollen. Können sie im eSport ihre potenzielle Zielgruppe erreichen?

Es ist uns aufgefallen, dass im Vergleich zum klassischen Sport beim eSport überraschenderweise noch wenig Werbung geschaltet wird. Die enormen Zuschauerzahlen und die weltweite mediale Aufmerksamkeit bieten ein Potential, dass nicht ungenutzt bleiben sollte.

Zudem ist der eSport ein wachsender Arbeitsmarkt für Absolventen und könnte ein möglicher Arbeitsmarkt für Sportmanagement Absolventen sein. Aus diesen Gründen machte es für uns Sinn sich, im Rahmen einer Bachelorarbeit, genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen.”

TMA: “Zu wann müsst ihr die Arbeit fertig haben? Gibt es eine Vorgabe an Seiten, die ihr mindestens schreiben müsst und wie weit seid ihr momentan?”

C&J: “Hier gibt es von Hochschulseite klare Vorgaben. Die Arbeit werden wir bis Mitte Januar abgeben müssen und der gesamte Bearbeitungszeitraum beträgt 2 Monate. Zudem werden wir zwischen 70 und 80 Seiten schreiben müssen. Die Umfrage nimmt recht viel unserer Zeit in Anspruch. Da wir nur einen begrenzten Teil der Bevölkerung ansprechen können (Nur die Leute, die sich mit eSport auseinandersetzen), ist die Suche nach Teilnehmer für unsere Umfrage etwas komplizierter, als bei gewöhnlichen Umfragen, bei welcher theoretisch jeder mitmachen kann. Trotzdem sind wir mit der Beteiligung bis jetzt schon recht zufrieden und auch positiv überrascht. Wir haben jetzt schon eine Anzahl an Teilnehmern und Infos mit der wir gut arbeiten können. Wir werden die nächste Zeit damit verbringen die Teile unserer Arbeit zu bearbeiten, für die wir die Umfrage nicht brauchen und unsere Quellenrecherche weiter betreiben. Nebenbei versuchen wir weitere Teilnehmer für unsere Umfrage zu gewinnen.  Sobald wir mit der Anzahl der Umfrageteilnehmer zufrieden sind, werden wir uns an die vollständige Auswertung der Umfrage setzen.”

TMA: “Gibt es eine Kerntendenz, die eure Arbeit bereits aufweist? Zu welchen Entschluss kommt ihr vorläufig?”

C&J: “Viele Vermutungen haben sich bereits bestätigt, z.B. dass der durchschnittliche eSport Fan männlich, zwischen 18 und 30 Jahren alt ist und selber zockt.

Unsere Handlungsempfehlungen werden sich also überwiegend an Unternehmen richten, die diese Zielgruppe ansprechen wollen.

Was uns etwas überrascht hat ist, dass ein Großteil der eSport Fans bereit ist mehr Werbung zu akzeptieren, wenn dafür der eSport weiter wächst.”

TMA: “Wir von TMA hatten zusammen mit Jäger & Sammler selbst schon einmal das Thema, ob der eSport auch eine anerkannte Sportart werden sollte (nachzulesen hier https://tma-ejournal.de/index.php/2018/08/02/ist-der-esport-eine-sportart/) Wie steht ihr zu diesem Thema?”

C&J: “Zu dieser Frage haben wir beide etwas geschrieben, da unsere Meinung hier etwas auseinander geht.”

Chris: “Meiner Meinung nach ist eSport Sport. Die motorischen und strategischen Leistungen der Profispieler stehen den Profis von „klassischen“ Sportarten in keiner Weise nach. Der Wettkampfgedanke ist beim eSport für mich genau der selbe, wie bei jeder anderen Sportart und dies macht auch etwas wie Schach für mich zu einer Sportart.

Ähnlich wie in eurem Bericht finde ich aber auch, dass der kommerzielle Zweck der Spiele dem Sportgedanken im Weg steht. Wie ihr schon sagt, sollte eine Sportart niemandem gehören.

Wir stellen uns aber immer wieder die Frage, warum die eSport Community den eSport unbedingt als Sportart anerkannt haben will. Muss eSport überhaupt eine Sportart werden? eSport ist jetzt schon sehr erfolgreich und der Wachstum hört nicht auf. Es gibt jetzt schon professionelle Ligen und große Events. Würde sich also irgendwas ändern wenn eSport plötzlich eine Sportart ist?”

Jeremy: “Eine Frage, die in unserer Arbeit definitiv aufgegriffen werden muss und ein heiß diskutiertes Thema zurzeit, welches es jetzt sogar bis in den Bundestag geschafft hat. Es war nur eine Frage der Zeit bis diese Diskussion, bei der aktuellen Entwicklung des eSports, aufkommt. Wenn der eSport in Deutschland jetzt schon mehr Aufmerksamkeit bekommt als die meisten traditionellen Sportarten und nur noch hinter dem Fußball steht, dann ist diese Frage unausweichlich. Persönlich denke ich, dass es für beide Seiten gute Argumente gibt. Unumstritten ist trotz der fehlenden Bewegung im eSport unfraglich die enorme Leistung der Spieler. Die besten Spieler der Welt Verfügung über ein überdurchschnittliches Reaktionsvermögen, Hand-Augen-Koordination und taktischen Verständnis. Allerdings gehört für mich zum Sport auch immer ein gesundheitsfördernder Faktor hinzu, den ich im eSport einfach nicht sehe. Hier allerdings finde ich die Definition des DOSB widersprüchlich, da sich mir der Gesundheitliche Faktor beim Boxen oder bei anderen verletzungsanfälligen Sportarten auch teilweise nicht ergibt. Wiederum verstehe ich das Argument der eSport Seite, wenn sie sagen, warum wird z.B. Schach als Sportart offiziell anerkannt, eSport aber nicht? Für mich gehört Schach auch nicht zu den offiziellen Sportarten. Ich sehe Schach auch eher näher am eSport als bei anderen Sportarten. Bei beiden werden zwar nur die Hände benutzt, aber beide sind Denksportarten mit komplexen taktischen Elementen. Die Definition und die Anerkennung von manchen “Sportarten“ weist für mich Verständnislücken auf. Wenn ich es zu entscheiden hätte, würde ich es persönlich nicht als Sportart anerkennen.

Abgesehen davon, braucht der eSport meiner Meinung nach dieser Anerkennung als Sportart für seine Entwicklung gar nicht. Der eSport wird sich auch ohne diese Anerkennung weiter entwickeln. Den einzigen Nutzen, den ich für den eSport durch eine Anerkennung sehe, ist das profilieren des schlechten Images des eSports und eine Erhöhung der Gesellschaftliche Akzeptanz. Die staatlichen Zuschüsse, können hier vermutlich vernachlässigt werden. Ansonsten ist der eSport so groß und kann auch ohne diese Anerkennung weiter als Entertainment fungieren. Neue Sponsoren und noch mehr Fans und Aufmerksamkeit werden auch ohne den Status als offizielle Sportart kommen.”

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Bitte Bestätige die Datenschutzerklärung um ein Kommentar abgeben zu können.