SportKultur Stuttgart e.V. – proaktive Mitgestaltung des eSports

Die SportKultur Stuttgart e.V. hat sich vor kurzen entschlossen eSport mit in ihr Angebot aufzunehmen. Im Juli konnte die offizielle Abteilungsgründung gefeiert werden. Dabei entschied sich der Hauptausschuss einstimmig für eine proaktive Mitgestaltung des eSports. Man setze auf eine aufklärerische Funktion und möchte einen fairen, verantwortungsvollen und sinnvollen Umgang mit Videospielen fördern. Wir waren von dem Konzept begeistert und haben den Abteilungsleiter der eSport-Sparte Alexander „LetzPlay“ Ebhart zu einem Interview eingeladen.

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TMA-eJournal: Hallo Alexander, vielen Dank für deine kurzfristige Zeit obwohl ihr derzeit viel um die Ohren habt. Wir fangen meistens unsere Interviews so an, dass wir wissen wollen welche Erfahrungen und Referenzen unsere Interviewpartner haben. The Stage Is Yours!

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Hey, ich freue mich bei euch eingeladen worden zu sein! So richtig mit dem Spielen habe ich tatsächlich erst recht spät angefangen, etwa 14-15 Jahre war ich da alt, doch ich habe mich recht schnell in diversen kleinen Clans eingelebt und an allen möglichen Stellen mitgeholfen. So bin ich recht früh in Kontakt mit organisatorischen Abläufen und Aufgaben gekommen, das erstreckte sich von redaktionellen Aufgaben über die Betreuung der Social-Media-Kanäle bis hin zum Webdesign. Nebenbei beschäftige ich mich auch bereits länger privat in etlichen Bereichen, etwa dem Grafikdesign oder der Photographie. Zudem habe ich auch in anderen Organisationen Erfahrungen mit PR und Kinderbetreuung gemacht. Man kann mich wohl als Allrounder bezeichnen.

TMA-eJournal: Jetzt kennt sicherlich nicht jeder Die SportKultur Stuttgart e.V. und kann damit nichts anfangen. Kannst du für uns ein wenig in die Historie gehen und uns den Verein etwas vorstellen?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Die SportKultur ist ein Zusammenschluss an lokalen Vereinen, welche so die Chance auf ein zukunftsfähigeres Angebot gesehen haben. Der Verein ist bemüht möglichst breit und vielfältig aufgestellt zu sein. Das neue Kinder- und Jugendsportangebot geht dabei den modernen Trends nach, so bieten wir dort etwa Parcour an oder auch eine „offene Sporthalle“. Bei uns im Verein sind wir uns bewusst, dass sich die Anforderungen und Bedürfnisse der Jugendlichen geändert haben, strenge Termine und ein ständiger Wettkampf sind heutzutage nicht mehr gefragt, vielmehr versuchen wir ein möglichst offenes und lockeres Programm anzubieten, so dass sich die Kinder, Jugendlichen und auch die Erwachsenen wohl fühlen und sich jeder den Verein ein bisschen nach seinen Wünschen formen kann. Dabei können wir als eSport-Abteilung auf die Unterstützung des gesamten Vereins bauen.

TMA-eJournal: Wie kam es zu der Idee, dass der Verein eine eSport-Sparte eröffnet. Kam der Verein auf dich zu oder bist du in die Offensive gegangen und hast ein Konzept vorgelegt?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Ich wurde damals von einem Einheimischen angehauen und gefragt, ob ich das nicht unterstützen könnte. Letztlich haben wir uns ein paar Mitstreiter gesucht und an einer Vereinsgründung gearbeitet bis wir auf die SportKultur aufmerksam wurden. Schnell stellte sich heraus, dass der Verein an eSport interessiert ist und so stellten wir in einigen Gesprächen unsere Ideen vor und arbeiteten ein gemeinsames Konzept aus, dieses ist in überarbeiteter Form auf unserer Website zu finden, den Transparenz ist uns wichtig. TMA-eJournal: Wie wichtig empfindest du es persönlich das eSport in Vereinen gefördert wird und auch in der Region gefördert wird?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Ich selbst sehe ein großes Potenzial im Breitensport, viele Gamer und eSportler könnten sich gerade in Vereinen zusammenfinden und so eine Gemeinschaft aufbauen. Ein Verein ist für mich dabei die perfekte Grundlage für ein ungezwungenes und faires Miteinander. Leider stehen auch wir immer wieder vor (finanziellen) Problemen welche durch eine bessere Förderung gelöst werden könnten. Einige nicht-staatliche Organisationen sind dabei sich dem eSport zu öffnen, aber von staatlicher Seite ist leider nicht sehr viel zu hören. Es würde mich sehr freuen, wenn auch gerade die Städte mehr im eSport aktiv werden würden, schließlich erreichen wir dort eine große Zahl an Jugendlichen und Kindern welchen wir wichtige Werte vermitteln können.

TMA-eJournal: Ein großes Thema ist für euch die Nachwuchsförderung. Im Fußball kann man da sich gut was vorstellen, aber wie kann man diese Idee oder diese Bezeichnung im eSport umsetzen bzw. verstehen?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Nachwuchsförderung im eSport ist leider viel zu oft einfach das „Semi-Pro“-Team oder das „Youth“-Team. Nachwuchsförderung bedeutet für uns die Spieler abzuholen, sie in den Verein zu bringen und ihnen den Wettkampf näherzubringen. Spieler die sonst nicht auf die Idee kommen, oder sich nicht trauen an Turnieren und Ligen teilzunehmen wollen wir eben dorthin bringen und wenn gewünscht natürlich auch in ein Team integrieren.

TMA-eJournal: In welchen Game und Plattformen seid ihr derzeit schon vertreten und wie weit soll euer Spektrum gehen?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Aktuell haben wir ein gutes CounterStrike Team für uns gewinnen können, zudem haben wir Fortnite-Spieler. Ein Call of Duty und ein League of Legends Team stehen mit uns im Kontakt und wir arbeiten an einer Integration, außerdem sind wir dabei in FIFA und eventuell auch NBA 2K Spieler aufzubauen. Zusätzlich tummeln sich bei uns Spieler unterschiedlichster Titel, wir haben da keine Beschränkungen, jeder spielt wozu er Lust hat, dabei unterstützen wir unsere Mitglieder als Abteilung so gut wir können.

TMA-eJournal: Ein Vorteil habt ihr ja schon, denn ihr habt quasi schon ein Vereinsheim. Sind dort Events oder eine Art LAN-Partys geplant oder ist das nur für eure Mitglieder vorbehalten?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Wir hatten schon eine kleine LAN-Party in unserem Vereinsheim, das hat richtig Spaß gemacht. Grundsätzlich können wir uns dort auch immer wieder Veranstaltungen vorstellen, sowohl für Mitglieder, als auch für Nicht-Mitglieder, aktuell jedoch arbeiten wir mit der Soccerhalle in Fellbach zusammen und sind dort auf den Veranstaltungen anzutreffen.

TMA-eJournal: Sucht ihr Mitglieder und wenn ja, wie kann man euch anschließen und was wird von einem erwartet? Kann ich als „NoName“ oder „Noob“ einfach dazu kommen?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Wir stellen an unsere Mitglieder keine Anforderungen, außer eben dem Mitgliedsantrag, wobei auch da sind wir recht großzügig. Bei uns soll sich jeder Spieler wohl fühlen, egal ob nur zum Spaß oder mit Ehrgeiz, egal ob Shooter oder Adventure, wir freuen uns über jeden. Am Besten kommt man einfach mal bei einem unserer „offenen Vereinsheime“ vorbei, da kann man mit uns reden und sich alles mal anschauen. Wir beißen auch nicht 😉.

TMA-eJournal: Gehen wir etwas ins gesellschaftliche und politische! Wie ist deine Einschätzung zum eSport? Wird der eSport den derzeitigen Hype nutzen können um in der Gesellschaft noch besser akzeptiert zu werden oder wird dies sich noch hinziehen?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: eSport ist bereits ein großer Hype und ich denke die Phase dieses riesigen Aufschwungs ist mittlerweile vorbei, was nun kommt ist ein gesundes und starkes Wachstum, wir müssen Strukturen im eSport schaffen und uns professioneller aufstellen. Es steckt bereits viel Geld im eSport, doch davon sickert bisweilen kaum etwas nach unten durch zu den Vereinen und in den Breitensport, es wird auch Zeit Trainer zu lizenzieren und mehr Angebote für lokale Spieler zu schaffen. Das ist alles im Gange und das wird sich die nächsten Jahre auch ergeben. So können wir den eSport auch besser in die Gesellschaft bringen. eSport muss von diesem klischeehaften, gehypten Nischensport in den Alltag kommen und alltäglich werden, den eSport ist schon lange keine Nische mehr.  

TMA-eJournal: Gesellschaft und Mitglieder schön und gut, aber wie sieht es mit der Politik aus? Wisst ihr zufällig wie die Parteien und die derzeit amtierenden Politiker in eurer Region dazu stehen oder gibt es dort Planungen an die Politik heranzutreten um Unterstützung zu erhalten?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Da ich selbst politisch aktiv bin habe ich da einen guten Überblick. Meistens herrscht einfach ein großes Unwissen über den eSport, so dass er einfach nicht thematisiert wird. Als Großsportverein haben wir da etwas mehr Möglichkeiten und bringen unsere Anliegen auch immer wieder vor, aktuell geht es jedoch mehr darum die Parteien und Amtsträger über den eSport zu informieren und aufzuklären. Lediglich in kleinen Gruppen oder Kleinparteien lassen sich fundierte Meinungen zum eSport finden.

TMA-eJournal: Zum Abschluss, würde uns interessieren was bei euch so alles geplant ist und ob ihr uns eventuell bald mit bestimmten Projekten oder Events überraschen werdet?

Alexander „LetzPlay“ Ebhart: Es wäre doch keine Überraschung mehr, wenn ich das hier erzählen würde. Es ist aber kein Geheimnis, dass wir aktuell versuchen einen eigenen Gamingroom aufzubauen wo unsere Mitglieder trainieren und Bootcamps veranstalten können. Selbstverständlich sind wir auch immer dabei neue Teams aufzubauen und Angebote für unsere Mitglieder zu erstellen.

TMA-eJournal: Vielen Dank für deine Zeit! Viel Erfolg weiterhin und gutes Gelingen.

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