TMA-eJournal: Hallo, vielen Dank dass du Zeit für uns gefunden hast. Viele kennen natürlich PENTA Sports, aber nur wenige wissen wie alles 2013 begann. Magst du uns vielleicht von eurem Werdegang zu PENTA Sports etwas erzählen?

Andreas Schaetzke: Hallo ihr Beiden! Sehr gerne: Die Wurzeln von PENTA Sports reichen zurück bis in das Jahr 1998. Damals wurde die KomaCrew gegründet und ist eine der ältesten Organisationen, welche in der „5“ hinter PENTA Sports steckt. So kam es 2013 durch ein Projekt – welches aufgrund der weltpolitischen Entwicklung – mit Partnern aus Russland nicht realisiert werden konnte zum Gedanken trotzdem den Schritt zu gehen. Wir haben damals sehr viel „Human Kapital“ rund um dieses Projekt gesammelt, d.h. aus fünf verschiedenen Esportclubs, teils traditionell, teils newcomer viele gute Leute an einem Tisch gehabt. Somit kam es dann im November 2017 zur heißen Phase, in welcher wir PENTA Sports gegründet haben und mit der Firma KAYDEE bis in das Jahr 2017 inkubiert haben.

TMA-eJournal: Jetzt mal ganz ehrlich! Das Know-How und die Kompetenzen die damals in den jeweiligen Organisationen vorhanden war und dann in PENTA Sports gebündelt wurde, war schon enorm groß. Aber hättet ihr damals gedacht, dass das Baby PENTA Sports mal so groß wird?

Andreas Schaetzke: Um ehrlich zu sein bin ich heute immernoch überrascht wie wir unseren Weg gegangen sind. Es gehörte auch eine Portion Glück bei der ein oder anderen Entscheidung dazu, aber die Entwicklung spricht für sich. Ich denke, neben dem Know-How und Kompetenzen, war der Ansatz es bei PENTA ganz anders zu machen der genau Richtige. Wir sind neue Wege gegangen und haben uns auf unsere Stärken konzentriert. Dazu haben wir nicht aufgehört zu lernen und den Markt in all seinen Details zu verstehen. Esport ist für viele Firmen und Einsteiger heute eine Art „Rocket Science“ und genau hier liegt auch die Opportunity!

TMA-eJournal:  Was ihr erreicht habt ist atemberaubend und ihr gehört zu den wenigen deutschen Aushängeschilder im deutschen eSport. Etliche Erfolge in diversen Games und ein eigenes Leistungszentrum ist schon eine Hausnummer. Aber wie sieht es mit der Zukunft aus, wollt ihr noch weiterwachsen, expandieren und Projekte starten oder seid ihr da angekommen, wo ihr hinwolltet?

Andreas Schaetzke: Wir haben eine sehr langfristige Planung und einen umfangreichen Zeithorizont bei PENTA. Die Reise – mit fast schon 5 Jahren auf der Uhr – hat für uns immer noch gerade angefangen. Wir haben die nötige wirtschaftliche Stabilität erreicht und können sehr planungssicher in den kommenden 24 Monaten agieren. Dazu haben wir ein sehr neues Konzept und Modell vom Esportclub entwickelt. Gerade das Leistungszentrum steht vor einem neuen Upgrade, wo wir die Ära PENTA 2.0 weiter einleiten möchten. Auch der Teambereich wird eine neue Ausrichtung bekommen und wir werden hier deutlich an Qualität zulegen. Für 2019 haben wir auch schon ein paar Projekte auf dem Tisch, es wird echt spannend!

TMA-eJournal:  Der eSport Bereich wird ja in der Gesellschaft immer mehr interessanter und wertvoller. Unteranderem wurde der ESBD gegründet mit viele namenhaften Teams und Organisationen. Viele hatten sich aber gefragt, warum zum Beispiel PENTA Sports nicht dabei ist. Woran liegt es?

Andreas Schaetzke: Wir waren damals im Prozess der Gründung noch gewissermaßen zu Teilen involviert. Der Schritt einen Verband zu gründen war definitiv der Richtige. Aber uns fehlen hier noch ein paar wichtige Punkte und der konkrete Dialog um unseren Namen mit auf das Papier zu setzen. Aktuell stehen wir dem offen gegenüber, aber durch unsere Erfahrung im Esport sehen wir beim ESBD noch das Fehlen gewisse Werte, welche für und bei einem Verband unabdingbar sind. Gesellschaftlich wird der Esport eine spannende Rolle einnehmen und wir schätzen die Arbeit von Hans Jagow und seinem Team im öffentlichen Dialog. Aber auch hier sind wir erst am Anfang.  

TMA-eJournal:  Viele unserer Leser und Leserinnen, sind aus kleinen oder weniger erfolgreichen Teams. Was würdest du jedem Team und Spieler ans Herz legen, damit sie wenigstens halb so groß wie ihr werdet?

Andreas Schaetzke: Zu erst wäre es wichtig, dass jeder einen genauen Fokus auf das legt was er erreichen möchte. Oft wird das Wort „Teufelskreislauf“ genannt, welches uns auch in den ersten Jahren ein absoluter Klotz am Bein war. Im Esport muss man lernen aus wenigen Mitteln, viel Energie und Hingabe eine funktionierende Esportmarke zu schaffen. Dies gelingt nur, wenn man a.) den Fokus auf die Ziele und Aufgaben hat, d.h. man sollte nicht abschweifen und sich von anderen Dingen mitreißen lassen. Dann sollte man b.) sich fragen welchen „business value“ das eigene Projektes hat. D.h.: Möchte ich das alles zum Spaß machen oder ist für mich ein Einstieg im Esport mit einer eigenen Esportmarke das große Ziel? Dann sollte man sich auch bewusst sein, dass als Verein diese Reise noch anstrengender und risikoreicher wird. Esport ist – auch wenn es für uns im Herzen ein toller Sport ist – pures Geschäft, welches auch die richtige Rechtsform und Kapitalstruktur erfordert. Jeder sollte hier c.) eine Art Mentor suchen und finden, welcher auf dieser Reise und der Projektfindung bzw. Gründung mit Rat und Tat zur Seite steht. Als letzter Tipp: Eine Organisation braucht keine 10 Teams, dies ist auch mit Fokus gemeint: Lieber Qualität als Quantität!

TMA-eJournal:  Kommen wir voll und ganz auf euch zurück! Spielerisch läuft es bei euch sehr gut. Ihr habt in vielen Games eure Teams vertreten und habt sogar für viele Sparten ein Academy Team. Da kann man ja schnell die Übersicht verlieren. Wo seid ihr derzeit überall vertreten und welche Games genießen intern die höchste Priorität?

Andreas Schaetzke: Wir haben uns im Sommer 2017, also genau vor einem Jahr, aus CSGO zurückgezogen. Damals war dies unser absoluter Haupttitel. Nun steht bei uns Rainbow Six an erster Stelle gefolgt von Fortnite und PUBG, sowie FIFA und League of Legends. Unser Amateur- Und Communityapparat ist nochmal deutlich größer und stellt weiterhin eine wichtige Grundlage für unsere Organisation dar. Wir werden in diesem Bereich – gerade für die deutsche Förderung von neuen Talenten und die „Education“ der Spieler – mehr Energie und Mittel einsetzen.

TMA-eJournal:  Zuletzt konnte euer PC-Team in Rainbow Six Siege die Invitational in Montreal gewinnen. Eine Vielzahl unserer Leser und Leserinnen sind aus der Rainbow Six Szene, weshalb wir hier nochmal genauer nachhaken wollen gerne wissen, was euer Team zu einzigartig macht? 

Andreas Schaetzke: Unsere Jungs waren (vor ca. 2 Wochen haben wir das Team für eine Rekordsumme an G2 Esports verkauft) eines der ersten Teams in RB6 und die Spieler haben sich über fast 2 Jahre beständig weiterentwickelt. Ich denke die wichtigste Rolle nimmt der Coach Thomas „Shas“ Lee ein, welcher das Team mit sehr viel Hingabe und analytischer Qualität zum absoluten Topniveau gebracht hat. Hier zeigt sich auch, wie wertvoll für viele Teams der sechste Mann ist. Wir werden in RB6 natürlich weiter bleiben und angreifen!

TMA-eJournal: Wir von TMA-eJournal durften letztes Jahr euer ELZ in Berlin besuchen. Echt tolle Location die ihr dort geschaffen habt. Wie kam es zu dieser Idee eigentlich und könnten dort reintheoretisch externe Teams dort einfinden und trainieren?

Andreas Schaetzke: Die Idee wurde damals zum Major 2015 in Katowice geboren. Dort war es noch ein Gaminghaus, welches wir uns als Ziel gesetzt hatten. Doch später sahen wir, dass wir größer denken müssen und mehr Risiko in diesem Bereich gehen müssen. Und ich kann sagen, dass dieser Schritt ein absoluter Erfolg war! Natürlich können externe Teams bei uns spielen und trainieren. Wir werden in den kommenden Monaten hierzu auch eine umfangreiche Kampagne schalten, damit das ELZ gerade für junge Teams eine spannende Anlaufstelle wird!

TMA-eJournal:   Wir wollen nicht weiter deine kostbare Zeit in Anspruch nehmen, weshalb wir zur letzten Frage kommen. Was benötigt der deutsche eSport noch um endlich in der Gesellschaft anzukommen und welche Weichen müssen deiner Meinung nach dafür noch gestellt werden?

Andreas Schaetzke: Wir werden noch mehr Zeit brauchen. Der Esport hat sich in einem enormem Tempo entwickelt und wir müssen immer verstehen, dass ältere Generationen – auch wenn Sie das Verständnis und Offenheit dafür haben – nicht unsere Zielgruppe sind. Die Gamer der Zukunft werden den Esport zu dem machen, wie wir es uns täglich erträumen. Aktuell sind wir in einem „wildwest Szenario“, welches noch ca. 4-5 Jahre in Europa andauern wird. In dieser Zeit werden viele Rechte klar definiert werden, Rollen neu bzw. klarer verteilt und Strukturen mit langfristigem Wert entstehen. Aber genau diese 4-5 Jahre sind auch noch ein Zeitfenster für jeden im Esport mitzumischen. Mit jedem Tag wird der Markt stärker und die Eintrittsbarrieren größer. Dazu wird in 5 Jahren die gesamte Zielgruppe „mitgealtert“ sein und wir werden viele neue Esportler und Talente in unserer Mitte haben – das wird Wirkung zeigen!

TMA-eJournal:  Wir danken dir für das tolle Interviews und für deine Zeit. Wir wünschen euch weiterhin viel Glück und maximal Erfolge!

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